Was ist EMDR?
Dr. Francine Shapiro(1948–2019) entwickelte zwischen 1989-1991 eine Traumatherapie genannt EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing (=Desensibilisierung & Wiederverarbeitung durch Augenbewegungen). Sie schrieb zu diesem Zeitpunkt ihre Doktorarbeit und kam durch einen Zufall darauf, dass Bewegungen der Augen (rechts-links) dazu führten, dass sich ihre belastenden Gedanken verringerten.
Sie experimentierte und erforschte die für EMDR typischen Augenbewegungen und später auch andere bilaterale Stimulationen wie das „tapping“. Daraus entstand ein Protokoll zur Behandlung von Traumafolgestörungen; zunächst speziell für die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) von Kriegsveteranen und misshandelten Frauen (USA).
Seit den 1990er Jahren ist viel geschehen und EMDR ist inzwischen ein wissenschaftlich gut erforschtes, anerkanntes und effektives therapeutisches Verfahren.
Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass es sich nicht nur zur Behandlung von psychischen Traumata aller Art eignet (inkl. PTBS), aber auch anderen Störungen und Zuständen, welche auf ein belastendes Erlebnis zurückgehen.
Ziel der Traumatherapie mit EMDR ist, dass ein traumatisches Erlebnis zwar noch in der Erinnerung existiert (wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen) die Erinnerung aber nicht mehr ständig den Alltag beeinflusst.
Viele Betroffene können deshalb nach einigen EMDR-Sitzungen sagen: „Ich weiß, es ist geschehen. Es war schlimm, aber es ist vorbei.“

Mein Hintergrund
20 Jahre Erfahrung in der Praxis & als Ausbilderin
Ich habe meine Original EMDR-Ausbildung im Januar 2007 direkt beim EMDR Institute Inc. in Boston absolviert. Das Level-2-Zertifikat war damals der höchste Ausbildungsabschluss des Instituts (dazu gehört übrigens immer Supervision und Eigenarbeit).

Was folgte, waren 5,5 Jahre tägliche Sitzungen mit EMDR sowie Fall-Supervisionen in zwei amerikanischen Kliniken für psychische Störungen — The Providence Center (Rhode Island) und Arbour Counseling Services (Massachusetts). Kein theoretisches Wissen, sondern gelebte Praxis mit komplexen Fällen, täglich.

Seit 2012 arbeite ich in meiner Privatpraxis in München — und gebe meine Erfahrung in einer EMDR-Fortbildung im Forum Gilching weiter, die sich eng an die Originalausbildung von Dr. Shapiro anlehnt.
Fast zwei Jahrzehnte mit dieser Methode haben mir eines gezeigt: EMDR kann weit mehr, als die Meisten ahnen.
Was genau ist ein Trauma?
Das Wort Trauma kommt aus dem griechischen und bedeutet Wunde oder Verletzung, ohne dabei zu definieren, wodurch diese hervorgerufen wurde. Ein psychisches Trauma ist ein belastendes Ereignis oder eine Situation, die bei der Person eine psychische Verletzung hervorruft – man könnte dies auch als eine „seelische Verletzung“ betiteln.
Ist das Ereignis „zu groß“, „zu viel“, „überfordernd“, „außergewöhnlich bedrohend“, „zutiefst erschütternd“ (wie eine Situation empfunden wird, ist immer individuell verschieden), kann diese Situation in unserem Gehirn nicht bewältigt und verarbeitet werden. In diesem Zusammenhang spricht man dann von einer Traumafolgestörung.
Das heißt der Körper reagiert auf ein traumatisches Erlebnis mit seiner eigenen Überlebensstrategie (Fight – Flight – Freeze) und die seelische Verletzung heilt nicht einfach von alleine ab.
Unser Körper merkt sich diese Strategie und setzt diese dann später immer wieder ein, wenn eine Situation im Jetzt der alten Situation auf eine gewisse Weise ähnelt. Und dies übrigens auch dann, wenn die gegenwärtige Situation keine wirkliche Bedrohung darstellt. Viele meiner Klienten sagen dann: „es ist total unlogisch, dass ich so reagiere“.
Wie kann Dir EMDR helfen?
Womit ich mit EMDR arbeite
EMDR eignet sich nicht nur für die klassischen Traumata, die üblicherweise eine PTBS verursachen – wie Unfälle, Missbrauch, Krieg – sondern für alles was unter dem Begriff Traumafolgestörung, aber auch akuten Belastungen zusammengefasst wird. Auch die Anwendung bei chronischen Schmerzen und Sucht (mit Einschränkungen) ist möglich.
In meiner Arbeit setze ich es dort ein, wo andere Methoden nicht hinreichen:
Frühkindliche & pränatale Prägungen 🌿 OP-Trauma & medizinische Eingriffe 🌿 Nahtoderfahrungen & Wiederbelebung 🌿 akute oder lang anhaltende Trauerreaktionen 🌿 Verlust des Zwillings im Mutterleib 🌿 Sich wiederholende Muster (auch die, die sich aus diesem Leben allein nicht erklären lassen) 🌿 Phobien & Panikattacken 🌿 Angststörungen 🌿 Unerklärliche Schmerzen 🌿 Psychosomatische Beschwerden 🌿 Hohe Sensitivität 🌿 AD(H)S uvm.
Viele meiner Klienten kommen, weil frühere Therapien nicht tief genug gegangen sind — oder weil das, was sie erlebt haben, (noch) keinen Namen hat, oder „es“ nicht ausdrückbar ist.
Wie ich EMDR verwende
EMDR ist für mich nicht nur eine Methode oder Technik (wie das bloße „Winken“ mit den Fingern), wie sie oft in Deutschland wahrgenommen wird.
Die Originalmethode ist ein umfassender, integrativer psychotherapeutischer Ansatz mit einem eigenen theoretischen Modell (dem Adaptive Information Processing, AIP). Sie umfasst einen strukturierten 8-Phasen-Prozess, der Anamnese, Stabilisierung und Nachbereitung beinhaltet, was weit über eine reine bilaterale Stimulation hinausgeht.
Je nach Mensch und Ursache einer Problematik kombiniere ich es mit:
Viel Achtsamkeit · Hypnotischen Techniken · Körpertherapeutischen Elementen · Imaginativen Verfahren · Techniken aus der DBT u.v.m. · Und wenn es hilfreich ist: meiner medialen Wahrnehmung, die mir oft zeigt, wo etwas sitzt, bevor der Verstand es benennen kann.
Das macht oft den Unterschied aus — ich wende EMDR nicht isoliert an, sondern EMDR ist Teil eines ganzheitlichen Prozesses, der Körper, Geist und Seele mit einbezieht. Dies war übrigens auch Teil meiner amerikanischen Ausbildung.
Wie sieht eine EMDR-Sitzung aus?
Bei einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) wird zum Beispiel ein stark belastendes, traumatisches Erlebnis durch sogenannte „Trigger“ (Auslöser) im Alltag und in Albträumen immer wieder neu erlebt – man rutscht sozusagen in die Vergangenheit und lebt – in diesem Moment – nicht mehr komplett in der Gegenwart.
Wir arbeiten in der Therapie mit solchen Auslösesituationen, und auch solchen, wo Du Dich nicht an die Ursprungssituation aktiv erinnern kannst. Unser Körper und unsere Zellen erinnern sich sehr genau an das, was passiert ist.
Zentrales – und wahrscheinlich bekanntestes – Element der EMDR-Therapie sind die sogenannten bilateralen Stimulationen.
Durch Links-Rechts-Augenbewegungen (=Eye Movements), oder abwechselndem sanften Klopfen (=tapping) auf die Hände oder Knie meines Gegenübers, oder dem Hören von Impulsen (rechts-links) kommt es im Gehirn zu einer Neuvernetzung von Gefühlen, Körperempfindungen, Gedanken und inneren Bildern.
Und dann sind da noch die – genauso wichtigen – achtsame Pausen, die mit Wahrnehmung = „Was nimmst Du jetzt in diesem Moment wahr“, kombiniert werden.
Zwar gehört noch etwas mehr dazu, aber vereinfacht gesagt hilft diese Kombination dabei, dass das belastende Ereignis dorthin geht, wo es hingehört: in die Vergangenheit. Anders gesagt: man „verarbeitet“ das Trauma und die dazugehörigen Erlebnisse und bewertet sie neu.
Ich bin dabei die Wegbegleiterin, die Dir dabei hilft, Dir die Vergangenheit anzusehen, Dir manchmal auch neue Impulse gibt, Dir dabei hilft im Hier und Jetzt zu bleiben, damit Du nicht in die Vergangenheit abrutschst. Welche Form von Stimulation wir wählen ist individuell verschieden – wichtig ist immer, dass es sich für Dich an dem Tag „richtig“ anfühlt.
Dr. Shapiro verglich dies in meiner Ausbildung mit einer Zugreise:
„Die Patientinnen und Patienten fahren noch einmal an dem Geschehen vorbei – aber aus sicherer Distanz und in Begleitung ihrer Therapeutinnen bzw. Therapeuten. Im weiteren Verlauf der Sitzung verblasst die belastende Erinnerung Stück für Stück und die Symptome des Traumas werden aufgelöst. Die Patienten lernen, mit den alten traumatischen Erinnerungen und Gedanken umzugehen und können eine neue, angemessenere Perspektive auf das Geschehen entwickeln.“
Zitat von EMDRIA
Vorraussetzungen für Traumaverarbeitung
Da das EMDR während der Sitzung meist eine aktive Auseinandersetzung – man spricht hier auch von Exposition – mit der belastenden Situation verlangt (man schaut sich Erlebtes wieder an), sollte man sich psychisch und körperlich in einem Gesundheitszustand befinden, der einem die beschleunigte Verarbeitung des Traumas erlaubt. Krass gesagt: mit Grad Fieber und einer Grippe geht man bitte nicht in eine Therapiesitzung.
Was bedeutet das? Man sollte für eine Traumatherapie körperlich und geistig – einigermaßen – belastbar sein. Nur dann kann man mit EMDR etwas erfolgreich be- und verarbeiten.
Jede gute Traumatherapie besteht deshalb aus drei Phasen, die natürlich – je nach persönlichem Zustand -unterschiedlich lange dauern können:
- Stabilisierungsphase – wie in jeder Therapie gilt, dass man zunächst erst einmal stabil genug sein muss, bis man sich mit dem Trauma auseinandersetzt. Das ist keine Vorstufe sondern ein Teil einer guten Therapie. Teil davon kann auch eine medikamentöse Stabilisierung sein. Sei das psychisch gesehen, aber auch körperlich. Mit Hilfe von EMDR kann man übrigens auch Ressourcen verankern und verstärken.
- Verarbeitungsphase – mit Hilfe von EMDR und anderen Methoden.
- Integrationsphase – das Erarbeitete im Alltag verankern, den Alltag neu erleben. Dabei können neue Perspektiven entstehen. Auch hier kann man EMDR einsetzen.
Du bist Therapeutin und möchtest EMDR selbst erlernen?
Ich bilde seit 2012 im Forum Gilching aus — in einer Fortbildung, die sich eng an die Originalausbildung von Dr. Francine Shapiro anlehnt. Zur EMDR-Fortbildung im Forum Gilching
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