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Psoriasis, Teil 2: Mein Weg, Trigger und Hautpflege

Meine Erfahrung mit der Schuppenflechte

Ich selbst war als Betroffene bei sehr vielen Ärzten, und man „stritt“ sich irgendwann darüber, was ich denn jetzt habe, Psoriasis ja, oder nein? Oder doch ein Pilz? Oder Kontaktallergie? Oder eine allergische Reaktion auf etwas Unbekanntes?

Ich sprach auf die gängigen Cremes, Shampoos (ich habe Schuppenflechte auch am Kopf) sowie Bealneotherapie (=Badetherapie), Lichttherapie, und eine Vitamin-D Creme NICHT an, oder es wurde sogar schlimmer.

Auch Methothrexat habe ich 2020 einige Monate probiert (systemische Therapie der Psoriasis Arthritis), und darunter ging es mir nach einigen Wochen schlimmer als vorher.  Homöopathie, Schüssler-Salze, Darmsanierung und alternative Therapien beim Heilpraktiker habe ich auch durch, aber nichts sprach bei mir wirklich lang anhaltend gut an.

Wenn ich einen Schub hatte juckte es höllisch, und nichts half, außer oral eingenommenes Cortison (Cortison ist nicht immer böse!). Gegen das Jucken half bei mir kurzfristig auch Fenistil bzw. ein Antihistaminikum – auch wenn es Aussagen gibt, dass diese gegen das Jucken nicht helfen. Auch eine histaminarme Diät half etwas. Aufenthalte am Meer sowie Salzbäder halfen auch. Und ich suchte weiter. Mein Gefühl sagte mir, dass es für mich eine Lösung gibt.

Ich dachte mir dann: dann geh ich halt rückwärts vor, denn ich weiß definitiv, was hilft. Dazu brauchte es jetzt nur noch den richtigen Arzt, der mir zuhörte und viel Erfahrung hatte.

Über eine Empfehlung kam ich auf einen Spezialisten in München, der sich meine Stellen ansah (inklusive Pofalte übrigens, das tat vorher kein Arzt). Er nahm mich tatsächlich unter die Lupe (und die war groß!). Er stellte Fragen zum Auftreten, sowie wann es schlimmer und wann es besser wird… er hörte zu …und dann sagte er: DAS IST EINE GANZ TYPISCHE PSORIASIS. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie erleichtert ich war.

Als ich ihm beschrieb, was ich alles nicht vertrage, sagte er mir, dass es Patienten gibt, die die Cremebasis, die Zusammensetzung von Shampoos oder auch gewisse Zusatzstoffe oder Konservierer nicht vertragen. Er verschrieb mir dann für Schübe ein spezielles Produkt in Sprayform, was mir sehr hilft.


Mein persönlicher Durchbruch in meiner Hautpflege

Einer der Durchbrüche für meine Hautproblematik war für mich, dass ich vor einigen Jahren anfing meine Hautcremes, Shampoos, Shampoobars, Waschbars, Lipbalms, sowie seit 2 Jahren auch Seifen, selbst herzustellen. Ich testete viel aus und habe für mich inzwischen eine gute Pflege gefunden.

Wer wie ich kaum Kaufkosmetik verträgt, kann Kosmetik selbst herstellen. Dazu braucht es etwas Geduld und Neugier, und die richtigen Quellen. Eine hervorragende Seite dazu ist von Heike Käser, die auch ein sehr gutes Buch veröffentlicht hat: https://olionatura.de/

Leider gibt es inzwischen sehr viele schlechte Rezepte im Internet. Da heutzutage jeder ein Buch veröffentlichen kann tummeln sich in dem Bereich teilweise ganz horrende Rezepte, wo weder richtig konserviert, noch auf ausgewogene Öl- und Butterzusammensetzungen, den Einsatz des richtigen Emulgators, noch auf den richtigen PH-Wert geachtet wird. 

Gerne berate ich individuell, wie man seine Kosmetik für sein eigenes Hautbild herstellen kann und sie v.a. fachgerecht konserviert. Dies ist sehr wichtig – denn tut man dies nicht, hat man nach 2-3 Tagen ein vor Schimmelpilzen- und Bakterien wimmelndes Produkt was viel Schaden anrichten kann. Und nein, dies sieht man zu diesem Zeitpunkt noch nicht!

Einige meiner Rezepte habe ich auf meinen Blog veröffentlicht.


Mögliche Trigger – meine Erfahrung damit

Neben einer Unverträglichkeit für einige Inhaltsstoffe von den meisten frei verkäuflichen Kosmetika (auch Bioprodukte und Naturkosmetik) habe ich bei mir beobachtet, dass u.a. stark kalkhaltiges und chlorhaltiges Wasser, enge Kleidung, Hautreizungen (das kann auch durch Gartenarbeit passieren), die Winterzeit, und auch zu viel Sonne meine Symptome auslösen oder verschlimmern kann. Dies gilt auch für viele meiner Klienten, wie ich in Gesprächen herausfand.

Auch Stress, Erkrankungen und Medikamente haben bei mir in der Vergangenheit zu Ausbrüchen geführt – und manchmal eben auch nicht.

Trigger für einen Schub sind immer sehr individuell, aber man sollte sie kennen, um Ausbrüche zu vermeiden. Dafür ist ein Triggertagebuch (oder eine Datei im Handy) hilfreich.

Wir haben seit einiger Zeit einen Kalkfilter in der Dusche installiert, und durch die Kombination mit meiner Kosmetik, aber auch Vermeidung von gewissen Stressfaktoren und Nahrungsmitteln habe ich meist nur minimale Hautbeschwerden.

Definitiv hilft mir auch meine regelmässige Meditation / Achtsamkeitspraxis, um mein Stresslevel gering zu halten. Und wenn meine Haut doch „getriggert“ wird, dann bekomme ich die Symptome schnell wieder in den Griff. Meine Psoriasis-Arthritis ist da leider nicht ganz so einfach zu handhaben – aber das ist ein anderes Thema.


Und jetzt noch ein paar Tips zur Hautpflege

Was man nicht tun sollte:

Immer mal wieder höre ich von Betroffenen, dass der Arzt empfahl, man solle sich nur mit Wasser waschen, und sich einen Monat nicht eincremen, bzw. nur ein neutrales Öl nach dem Duschen auftragen – dies passiert gerne, wenn der Verdacht auf ein (Kontakt-)Exzem besteht.

Ich habe dies auf Hautarztempfehlung sogar einmal selbst ausprobiert (da hatte ich noch die falsche Diagnose) und es war für mich ein Disaster. Sollte man eine Psoriasis haben, kann dies eine reine Tortur bedeuten und es ist auch bei der Schuppenflechte kontraindiziert.

Wie sollte eine gute, generelle Hautpflege aussehen?

Die meisten Psoriatiker haben eine sehr trockene Haut, und benötigen neben einer Fettphase auch viel Feuchtigkeit und Stoffe, die die Feuchtigkeit in der Haut halten. Eine gute, tägliche Hautpflege ist deshalb Pflicht! Und bitte halte Dich an die Empfehlungen Deines Hautarztes, was die Anwendung von verschriebenen Cremes betrifft. 

Eine Salbe ist übrigens reines Fett. Wer nur Öl oder eine reine Körperbutter (Z.B. Shea) benutzt, wird nach kurzer Zeit meist ein unangenehmes Spannungsgefühl haben – dies bedeutet, dass der Haut Feuchtigkeit fehlt! Eine Creme oder Lotion enthält eine sogenannte Wasserphase, und sollte für jemand mit Schuppenflechte auch spezielle Wirkstoffe enthalten. Auch sollte die Pflege an die Jahreszeiten angepasst werden – im Winter mögen die Meisten eher „fettere“ Cremes, im Sommer eher etwas „leichteres“. Aber auch dies kann individuell sehr verschieden sein.

Wirstoffe, die sich bei Psoriasis nach meiner Erfahrung, meinem Internetresearch und im Gespräch mit Mitbetroffenen als gut erwiesen haben sind z.B.:

Harnstoff (Urea) in Konzentrationen von ca. 10-15% (bei Kindern höchstens 5%), Natriumlaktat, Sodium PCA, D-Panthenol, Allantoin, Hyaluronsäure, Pentavitin, Lipodermin …. Ich persönlich finde „Meristemextrakt“ noch ganz besonders hilfreich, da er antientzündlich, anti-juckreiz und antiallergen wirkt.

Viele gekauften Kosmetika enthalten Duftstoffe, synthetische Stoffe oder auch Mineralöl. Mineralöl per se hat keinen Pflegewert – wehalb ich in meiner Hautpflege hochwertige Öle einsetze. Wer glaubt auf gewisse Stoffe zu reagieren, sollte dies bitte medizinisch abklären lassen. Hilfreich sind anfangs oft duftfreie und v.a. auf den PH-Wert der Haut abgestimmte Produkte (PH 5,5). Ausserdem gibt es verschiedene Öle wie z.B. Nachtkerzenöl, die sich in der psoriatischen Hautpflege bewährt haben.

Hier noch ein Tip: wer auf Aspirin bzw. ASS allergisch reagiert sollte sich mit Salicylaten auseinandersetzen – eine gute Webseite dazu ist www.samter-trias.de. Salicylate findet man in Medikamenten aber auch in Nahrungsmitteln (z.B. Gewürze wie Curry, Senf, Kurkuma, Paprika, Johannisbeeren, Pfefferminztee uvm.) sowie in Kosmetik (z.B. Salicylsäure, Benzoate). Für die Psoriasis gibt es sogar spezielle Shampoos mit Salicylsäure – und das wäre bei einer Unverträglichkeit kontraindiziert.

Kopfhaut

Bei vielen ist auch die Kopfhaut mit betroffen, und in der Not werden dann viele frei verkäufliche Shampoos durchprobiert. Dies kann die Psoriasis leider verstärken (natürlich auch mal helfen). Es gibt auch verschreibungspflichtige Shampoos für die Psoriasis – Empfehlungen dafür kann einem der Dermatologe geben.

Für meine Kopfhaut-Schuppenflechte habe ich nach gut drei Jahren testen meiner eigenen Rezepte endlich eine richtig gute Lösung gefunden, und die ist ein an den PH-Wert der Kopfhaut angepasster Shampoobar mit ayurvedischen Erden und einigen Wirkstoffen sowie eine Kopfhautlotion wenn meine Kopfhaut sehr trocken ist.

Da jeder verschieden ist, muss man hier (leider) einiges durchprobieren und herausfinden, was genau man am Shampoo nicht verträgt, und was gut für einen ist. Und: auch Shampoos und Shampoobars (die gekauften sind leider meist Schrott, anders kann ich es nicht ausdrücken) kann man selber machen!

Duschen, Baden, Hände waschen …

Und zu guter Letzt: heiße, lange Bäder, viel Seife, langes abrubbeln während oder nach dem Duschen oder ein Aufenthalt im Schwimmbad (Thema Chlor) können einen Schub auslösen.

Dafür können Ölbäder oder auch ein Bad mit „Totem Meersalz“ oder Solebäder hilfreich sein. Nur bitte nicht zu heiss oder zu lange baden. Und ganz wichtig: danach sollte man sich immer eincremen!

Auch sog. Syndet- oder Flüssigseifen oder gekaufte Seife sind für meist nicht verträglich. Ich habe inzwischen sehr gute Erfahrungen mit meiner hoch überfetteten, selbstgemachten Seife gemacht. Da diese aber einen basischen PH-Wert hat, würde ich im Schub eher ein auf PH-Wert 5,5 angepasstes Duschstück verwenden.

Und jetzt kommt noch das häufige Händewaschen: für den öffentlichen Bereich würde ich empfehlen einen verträglichen „Reiniger“ sowie eine gute Handcreme mitzunehmen. Auch die Hände wollen gepflegt werden.

 

… mehr gerne in einem persönlichen Gespräch.