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Wenn Mikronährstoffe und Medikamente sich ins Gehege kommen — was du wissen solltest

Synergien & Wechselwirkungen zwischen Mikronährstoffen und Medikamenten – Teil 1

Dies ist ein Thema, das mich seit meiner Klinikzeit beschäftigt und das ich auch in meinen Ausbildungskursen für Heilpraktiker für Psychotherapie immer wieder anspreche: Die Wechselwirkungen zwischen Mikronährstoffen und Medikamenten werden massiv unterschätzt — und die Folgen davon sehen häufig täuschend psychisch aus.

Man weiß heute außerdem, dass bei der Einnahme von Antidepressiva, Neuroleptika, Cortison, der Pille, Blutdrucksenkern, Schilddrüsenmedikamenten und Anti-Diabetika der Körper zusätzliche Mikronährstoffe benötigen kann, damit ein Medikament optimal wirkt — und um Nebenwirkungen zu minimieren. Dies sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Eine Fallgeschichte aus der Praxis:

Solche Geschichten höre ich regelmäßig — in meiner Praxis, aber auch in meinen Ausbildungskursen für Heilpraktiker für Psychotherapie. Das, was mich an diesem Thema so beschäftigt, ist nicht nur die Biochemie.

Es ist die Tatsache, dass Mikronährstoffmängel durch Medikamente häufig wie psychische Symptome aussehen: Erschöpfung, Stimmungstiefs, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, Körperschmerzen. Wer das nicht weiß, behandelt das Symptom — nicht die Ursache.

Wie entstehen Wechselwirkungen?

Mikronährstoffe und Medikamente teilen sich oft dieselben dieselben Aufnahme-, Transport- und Stoffwechselwege im Körper — Transportproteine, Rezeptoren, Enzyme … alles greift im Körper ineinander.

Wenn zwei oder mehr Stoffe (ganz egal ob natürlichen oder chemischen Ursprungs) gleichzeitig unterwegs sind, kann es passieren dass:

… ein Mikronährstoff die Aufnahme eines Medikaments blockiert — oder umgekehrt, ein Medikament einen Mikronährstoff verbraucht, verdrängt oder dessen Aufnahme dauerhaft hemmt, oder ein Mikronährstoff die Wirkung eines Medikaments verstärkt oder abschwächt.

Das passiert nicht immer dramatisch. Oft schleicht es sich ein — über Monate, manchmal Jahre. Und weil niemand fragt, bleibt es unentdeckt.


Statine — die stillen Q10-Räuber

Statine sind eine der meist verordneten Wirkstoffe weltweit. Sie senken Cholesterin — aber sie hemmen dabei denselben Stoffwechselweg, über den der Körper Coenzym Q10 (CoQ10) produziert.

Q10 ist kein Luxusnährstoff. Es ist ein zentrales Molekül in der Energieproduktion jeder Körperzelle — besonders in Muskel- und Herzmuskelzellen.

Ein Q10-Mangel macht sich bemerkbar durch: Muskelschmerzen und Muskelschwäche (die häufigste Nebenwirkung von Statinen, oft als „Myopathie“ bezeichnet), Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und im schlimmsten Fall kardiale (=Herz) Beschwerden.

Was viele nicht wissen: Diese Symptome werden häufig nicht mit dem Statin in Verbindung gebracht — sie tauchen schleichend auf und werden als Alterungserscheinung oder psychische Belastung interpretiert. Ursache ist oft auch, dass das Statin schon über Jahre eingenommen wird, und der Facharzt das Medikament vielleicht sogar gar nicht „auf dem Schirm“ hat.

Was hilft: Ubiquinol (mind. 100–300 mg täglich) – die fettlösliche Form Ubiquinol ist besser verfügbar als Ubiquinon – kann die statinbedingte Erschöpfung deutlich reduzieren. Eine Rücksprache mit dem Arzt ist sinnvoll — viele sind heute offen dafür.

Mehr dazu: OrthoKnowledge — Statine senken den Q10-Gehalt | OrthoKnowledge — Neue Studien mit CoQ10


Protonenpumpenhemmer — unterschätzte Langzeitfolgen

PPIs wie Omeprazol oder Pantoprazol gehören zu den am häufigsten eingenommenen Medikamenten überhaupt — oft über Jahre, manchmal ohne dass die ursprüngliche Indikation noch aktuell ist.

Das Problem: Sie reduzieren die Magensäure stark. Und unsere Magensäure ist für die Aufnahme mehrerer Mikronährstoffe unverzichtbar: Vitamin B12 wird aus der Nahrung nur mit ausreichend Magensäure freigesetzt.

Ein B12-Mangel unter PPIs ist gut dokumentiert — und macht sich zunächst neurologisch bemerkbar: Kribbeln, Taubheitsgefühle, Gedächtnisprobleme, depressive Verstimmung. Magnesium: Chronische PPI-Einnahme ist mit Hypomagnesiämie assoziiert — mit Folgen für Nerven, Muskeln und Herzrhythmus. Calcium und Eisen werden ebenfalls schlechter aufgenommen.

Wer PPIs langfristig nimmt, sollte B12 regelmäßig kontrollieren lassen — und zwar als Holotranscobalamin, nicht als Standard-B12 im Serum, das oft noch normal ist wenn der Zellspiegel längst abgefallen ist.


Blutdrucksenker und Diabetesmedikamente

ACE-Hemmer und Sartane (häufige Blutdrucksenker) können den Zinkspiegel langfristig senken. Zink ist unter anderem wichtig für Immunfunktion, Wundheilung, Hormonregulation und — relevant für meine therapeutische Arbeit — für die Neurotransmittersynthese.

Metformin, das meistverordnete Diabetesmedikament, ist ein bekannter B12-Räuber. Bei Langzeiteinnahme sollte B12 regelmäßig kontrolliert werden — als Holotranscobalamin. Ein schleichender B12-Mangel unter Metformin ist gut dokumentiert und kann u.a. Burning Mouth aber auch periphere Neuropathien verursachen, die dann fälschlicherweise als diabetische Neuropathie interpretiert werden.

Diuretika (wassertreibende Mittel, oft bei Bluthochdruck) fördern die Ausscheidung von Magnesium, Kalium, Zink und B-Vitaminen. Magnesiummangel unter Diuretika ist häufig und äußert sich in Muskelkrämpfen, Schlafproblemen, Herzrhythmusstörungen — und Reizbarkeit.


Burning Mouth — wenn die Ursache körperlich ist

Dies ist ein Thema, das ich zunehmend in der Praxis sehe und welches mir auch Kollegen oft zutragen: das Burning-Mouth-Syndrom — ein brennendes, manchmal schmerzhaftes Gefühl im Mund ohne sichtbare Ursache. Teilweise wird die Zunge auch rot. –> Psychosomatisch?

Punkt 1) In vielen Fällen stecken aber Mikronährstoffmängel dahinter — insbesondere Eisen, Zink, B12, B2, B3, B6, und Folsäure. Und diese Mängel können wiederum medikamentenbedingt sein.

Punkt 2) In einzelnen Fällen kann auch ein Mangel an Intrinsic Faktor dazu führen, dass B12 nicht umgewandelt wird. Ursachen des Intrinsic Factor Mangels können u.a. eine Autoimmungastritis (Typ-A-Gastritis), Helicobacter Pylori Infektion und andere Schädigungen der Magen-Schleimhaut, sowie eine seltene genetisch angeborene Störung sein.

Punkt 3) Es gibt aber noch andere, wirklich wenig bekannte Ursachen dafür, die dringend bei Verdacht auf eine körperliche Ursache abgeklärt werden sollten: Beim sog. Mastzellaktivierungssyndrom wird dies häufig durch die Ausschüttung von verschiedenen Botenstoffen (aus den Mastzellen) hervorgerufen, aber auch bei Pilzerkrankungen (Mundsoor) oder bakteriellen Fehlbesiedelungen, kann es zu einem Mund-Brennen kommen. Diese Erkrankungen können wiederum aber auch zu weiteren Mikronährstoffmängeln führen.

Wer unter Burning Mouth leidet, sollte gezielt Laborwerte machen lassen und auf Ursachenforschung gehen. Ich unterstütze dich dabei gerne.


Antidepressiva und SSRI — was der Körper zusätzlich braucht

Antidepressiva sind ein eigenes, sehr weites Thema. Die bekanntesten AD sind die SSRIs (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer). Sie erhöhen den Serotoninspiegel im synaptischen Spalt — aber Serotonin muss erst gebildet werden: aus Tryptophan, mit Hilfe von Vitamin B6, Magnesium, Zink und Folat. Ganz „hinten“ im Umwandlungsprozess kommt dann übrigens Melatonin raus. Und das benötigen wir, um Schlafen zu können.

Fehlen diese Cofaktoren, wirkt das Medikament schlechter als es könnte. Einen ausführlichen Artikel dazu gibt es bei Vitamindoctor: Antidepressiva und Mikronährstoffe (keine Werbung).

Zusätzlich verändert die Einnahme von Antidepressiva selbst den Bedarf: Magnesium wird stärker verbraucht, B-Vitamine sind wichtig für die Neurotransmittersynthese, und ein Zinkmangel ist bei Depressionen häufig — und wird durch manche Antidepressiva noch verstärkt. Omega-3-Fettsäuren können die Wirksamkeit von Antidepressiva nachweislich verbessern — das sagt auch die Forschung.

Ein wichtiger Hinweis für die Praxis: Johanniskraut ist ein starker CYP3A4-Induktor und kann die Wirkung vieler Medikamente — darunter Antidepressiva, die Pille und Schilddrüsenmedikamente — deutlich abschwächen. Das wird in der Selbstmedikation häufig unterschätzt.

Wenn du selbst unter Depressionen leidest oder dich fragst, ob eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll wäre — ich bin gerne für dich da.


Die Pille und andere Hormone

Orale Kontrazeptiva und Hormonpräparate gehören zu den bekanntesten Mikronährstoff-Räubern — aber das Wissen darüber ist erstaunlich wenig verbreitet. Folgende Mängel sind gut dokumentiert:

Folat (B9) · Vitamin B6 · Vitamin B12 · Magnesium · Zink · Vitamin C · Selen

Folsäuremangel unter der Pille ist klinisch relevant — besonders wenn Frauen nach dem Absetzen schwanger werden möchten. Auch eine optimale Einstellung der Schilddrüse ist hierfür übrigens sehr wichtig!

Aber auch ohne Schwangerschaftswunsch: B-Vitaminmangel unter der Pille kann sich in Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Erschöpfung und depressiven Episoden zeigen — und wird selten mit dem Verhütungsmittel in Verbindung gebracht.


Schilddrüsenmedikamente — ein Thema für sich

Morgenkaffee mit Pillen - mögliche Wechselwirkungen

Levothyroxin (T4) ist eines der empfindlichsten Medikamente überhaupt, was die Einnahme betrifft. Es wird nur dann optimal aufgenommen, wenn es nüchtern, mit ausreichend Abstand zu Mahlzeiten und vor allem zu bestimmten Mikronährstoffen eingenommen wird.

Außerdem — und das ist ein Punkt, der oft nicht bekannt ist: Die meisten Menschen bekommen zur Behandlung reines T4. Der Körper muss das erst in das aktive T3 umwandeln. Funktioniert diese Umwandlung nicht gut, hat man weiter Symptome — obwohl die Laborwerte „normal“ aussehen. Mehr dazu in Teil 2 unserer Reihe.

Also: Morgens zum Kaffee? Bitte auf gar keinen Fall! Er kann die Aufnahme des Schilddrüsenhormons um bis zu 30–50 % reduzieren. Bitte mind. 30-60 Min. Abstand halten.

Folgende Stoffe hemmen die Aufnahme von Levothyroxin außerdem erheblich und müssen zeitlich getrennt eingenommen werden — d.h. mindestens zwei bis vier Stunden Abstand halten:

Calcium (auch in Milch, calciumreichen Lebensmitteln) · Koffein und die darin enthaltenen Gerbstoffe · Eisen · Magnesium · Zink · Ballaststoffe in großen Mengen · Sojaprodukte · Cholestyramin (ein Gallensäurebinder, der Levothyroxin im Darm bindet und ausscheidet).

Wer Cholestyramin einnimmt — zum Beispiel zur Gallensäurebindung, Ausleitung oder bei erhöhten Cholesterinwerten – muss auf einen ausreichenden Einnahmeabstand zu Schilddrüsenhormonen achten. Empfohlen werden mindestens vier bis sechs Stunden, zu anderen Medikamenten / zu Mikronährstoffen mindestens zwei.

Auch PPIs können die Schilddrüsenhormonaufnahme beeinflussen — wer beides nimmt, sollte die Dosis regelmäßig kontrollieren lassen.

Biotin in hohen Dosen kann Schilddrüsenlaborwerte verfälschen — vor einem Bluttest mindestens zwei bis drei Tage pausieren und das Labor informieren.


Antibiotika — Timing ist alles

Bestimmte Antibiotika, vor allem Tetracycline (z.B. Doxycyclin) und Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin), bilden mit mehrwertigen Ionen unlösliche Komplexe — das heißt, sie werden einfach nicht mehr aufgenommen, wenn man sie zusammen einnimmt mit:

Calcium (Milch, calciumhaltige Lebensmittel, Calcium-Supplemente) · Magnesium · Eisen · Zink · Aluminium- oder magnesiumhaltigen Antazida

Die Folge: Das Antibiotikum wirkt nicht. Das klingt einfach, passiert aber häufig — weil niemand explizit darauf hinweist, dass ein Glas Milch oder Magnesium zum Antibiotikum die Therapie unterlaufen kann.

Faustregel: Mindestens zwei Stunden Abstand zwischen Antibiotikum und Mineralstoffsupplementen oder Milchprodukten.

Zusätzlich: Antibiotika verändern die Darmflora erheblich. Eine begleitende, persönlich abgestimmte und vor allem nachfolgende Probiotikagabe (über mehrere Wochen bis Monate) ist sinnvoll — mit Abstand von mindestens zwei Stunden zum Antibiotikum.


Bentonit, Zeolith & Co. — wenn die Ausleitung zu viel mitnimmt

Viele Menschen greifen zu sogenannten „Binders“, Bentonit, Zeolith oder ähnlichen mineralischen Adsorptionsmitteln zur Entgiftung oder Darmreinigung. Auch Kohle und Cholestyramin kommen dafür zum Einsatz (v.a. bei Pilzbehandlungen).

Was weniger bekannt ist: diese Stoffe binden nicht nur Schadstoffe und Schwermetalle — sie binden auch Mikronährstoffe und Medikamente. Besonders kritisch: Sie ziehen Stoffe nicht nur aus dem Darminhalt, sondern können auch bereits resorbierte Substanzen aus dem Gewebe zurück in den Darm mobilisieren — was bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme problematisch werden kann.

Wer also „Binders“ einnimmt, sollte: einen großen zeitlichen Abstand zu allen Medikamenten einhalten — mindestens zwei bis drei Stunden, bei Schilddrüsenhormonen eher mehr. Mikronährstoffe bitte zeitlich vom „Binder“ getrennt einnehmen. Die Kur nicht dauerhaft durchführen, sondern nur in kürzeren Abständen. Regelmäßig Laborwerte kontrollieren, besonders Mineralstoffe und B-Vitamine.


Was bedeutet das für die Praxis?

Keine dieser Informationen ist ein Grund, ein Medikament/e eigenmächtig abzusetzen oder zu verändern. Bitte besprich dies IMMER mit Deinem Arzt! Aber es sind gute Gründe, genauer hinzuschauen — und mit Deinen Behandlern das Gespräch zu suchen.

Was ich in meiner Beratung immer tue: Ich schaue mir die vollständige Medikamentenliste an, bevor ich Mikronährstoffe empfehle. Ich bitte Dich auch meist darum, gezielt weitere Untersuchungen zu machen. Generell sollte eine Supplementierung sich immer an Mängeln und Bedarf orientieren. Eine gute Supplementierung kann ein Medikament sinnvoll ergänzen, manchmal besser wirksam machen, und auch unnötige Nebenwirkungen reduzieren.

Für einen schnellen Vorabcheck empfehle ich den Wechselwirkungscheck der Apotheken-Umschau — und immer das Gespräch mit der Apotheke, die oft besser informiert ist als man denkt.

Das war Teil 1 — die „klassischen“ Wechselwirkungen. In Teil 2 geht es um Themen, die in der Praxis mindestens genauso häufig auftauchen, aber kaum besprochen werden: ADHS-Medikamente und Vitamin C, was Menschen mit ADHS grundsätzlich brauchen, Hormonersatztherapie in den Wechseljahren — und warum so viele Frauen trotz Schilddrüsenmedikament weiter Symptome haben.

→ Teil 2: ADHS, Wechseljahre & warum T4 allein oft nicht reicht


Einige Wissenschaftliche Quellen hierzu:

Rezaei M. et al. (2017): Omega-3 fatty acids and depression. PubMed PMID 28453601

Langan RC, Goodbred AJ (2017): Vitamin B12 deficiency: Recognition and management. American Family Physician, 96(6):384–389.

Salles N. et al. (2019): Proton pump inhibitors and risk of micronutrient deficiency. European Journal of Clinical Nutrition.

Aslan M. et al. (2015): Statin use and coenzyme Q10 depletion. Cardiovascular Drugs and Therapy.

Palmery M. et al. (2013): Oral contraceptives and changes in nutritional requirements. PubMed PMID 23852908

de Jager J. et al. (2010): Long term treatment with metformin and risk of vitamin B-12 deficiency. BMJ 340:c2181

Mikronährstoffcoach Kompendium von Biogena (gibt es auch als Buch)

OrthoKnowledge — Nährstoff-Übersicht

Vitamindoctor — Antidepressiva und Mikronährstoffe

IMD Berlin — Vitamin B12 Diagnostik

Psoriasis, Teil 2: Mein Weg, Trigger und Hautpflege

Meine Erfahrung mit der Schuppenflechte

Ich selbst war als Betroffene bei sehr vielen Ärzten, und man „stritt“ sich irgendwann darüber, was ich denn jetzt habe, Psoriasis ja, oder nein? Oder doch ein Pilz? Oder Kontaktallergie? Oder eine allergische Reaktion auf etwas Unbekanntes?

Ich sprach auf die gängigen Cremes, Shampoos (ich habe Schuppenflechte auch am Kopf) sowie Bealneotherapie (=Badetherapie), Lichttherapie, und eine Vitamin-D Creme NICHT an, oder es wurde sogar schlimmer.

Was ist Psoriasis (Schuppenflechte)? Teil 1

Ich habe lange überlegt, wie ich hier das Thema der „Psoriasis“ (=Schuppenflechte) aufgreifen kann, ohne gleich eine mehrseitige Abhandlung zu schreiben… naja, zumindest keine Doktorarbeit – dies haben schon andere vor mir getan.

Da ich immer wieder Klienten habe, die neben psychischen Problemen auch Haut- und/oder Gelenkprobleme bzw. -entzündungen haben, die durch Stress und andere Trigger ausgelöst werden können, liegt es mir am Herzen, einiges hierzu – in hoffentlich einfachen Worten – aufzuklären. Ich hoffe natürlich auch, dass meine eigenen Erfahrungen und Empfehlungen Betroffenen weiterhelfen.

Gedanken um die Begegnung mit sich selbst – ein Gedankenanstoß

In der Therapie geht es unter anderem um die Begegnung mit sich selbst. Dies ist etwas, auf was man sich oft erst einlässt, wenn man im Leben Schwierigkeiten begegnet, und oberflächliche Verhaltensänderungen nichts bringen.

Der Weg zum „Sich-Kennenlernen“ ist anfänglich nicht so schwierig – man weiß ja generell, wie man so tickt, allerdings ist es oft nicht einfach mit dem umzugehen, was man in den eigenen Untiefen findet…

Es ist ein Wagnis und bedeutet Mut aufzubringen sich dem zu stellen, was da „ist“, und einem Gegenüber zu vertrauen, dass man in der Begegnung nicht abgewiesen wird.

„Reflections“ , (c) Gisela Schneider 2007

Und dies ist in jeder Therapie ein wichtiger Punkt:

  • Kann ich dem/der Therapeut(in) vollkommen vertrauen?
  • Fühle ich mich so aufgehoben, dass ich mich traue mir selbst zu begegnen und innerste Ängste und Gefühle in einem geschützten Raum auszudrücken?
  • Traue ich mich, verletzlich zu werden?
  • Diese Liste geht natürlich noch weiter, und ist individuell verschieden.

Vielleicht kann ich aber hiermit einen Gedankenanstoß dazu geben, dass wir uns mehr trauen. Nicht nur in der Therapie, aber auch in der Partnerschaft, bei Freunden, der Familie, im täglichen Leben … dass wir wir selbst sind, uns mehr zeigen, und damit ein Stückchen authentischer werden.

Zum Abschluss ein Zitat vonCarl Gustav Jung. Er hat diese Begegnung mit dem Selbst in folgende Worte gefasst:

„Wer in den Spiegel des Wassers blickt, sieht allerdings zunächst sein eigenes Bild. Wer zu sich selber geht, riskiert die Begegnung mit sich selbst. Der Spiegel schmeichelt nicht, er zeigt getreu, was in ihn hineinschaut, nämlich jenes Gesicht, das wir der Welt nie zeigen, weil wir es durch die Persona, die Maske des Schauspielers, verhüllen.

Der Spiegel aber liegt hinter der Maske und zeigt das wahre Gesicht. Dies ist die erste Mutprobe auf dem inneren Wege, eine Probe, die genügt, um die meisten abzuschrecken, denn die Begegnung mit sich selber gehört zu den unangenehmeren Dingen, denen man entgeht, solange man alles Negative auf die Umgebung projizieren kann.“ (Zitat aus C.G. Jung: Bewusstes und Unbewusstes)

Über Achtsamkeit, „Versagen“ und Umbrüche

Kürzlich bin ich über einen Buchtitel von Pema Chödrön gestolpert: „Fail, fail again, fail better“ (Versage, versage nochmals, versage besser) … und ich habe mir darüber Gedanken gemacht – wie geht das nochmal? Besser im Versagen werden? Eigentlich wollen wir ja nur eines nicht, nämlich versagen.

Wenn etwas in unserem Leben „schief“ geht, sei es, dass wir nicht den erwarteten Job bekommen oder entlassen werden, krank werden, eine Partnerschaft oder Freundschaft auseinanderbricht, oder wir enttäuscht werden, labeln wir dies oft als Versagen oder „Fehler“. Schon wieder ist etwas passiert (wir wiederholen gewisse Dinge ja gerne immer wieder, langen sozusagen immer wieder auf die gleiche heisse Herdplatte – die kennen wir ja schon, wollen sie aber so nicht zunächst erkennen)… und meist geben wir entweder äußeren Umständen bzw. Personen die Schuld, oder wir machen uns selbst nieder. Meist hat man sich dann in der Situation gefühlsmässig „verheddert“.

Es gibt aber auch einen anderen Weg.

Achtsamkeit und das Erlernen genau dieser ist in meinen Augen eine der Möglichkeiten, um mit Lebensumbrüchen besser umgehen zu können. Achtsamkeit bedeutet ein neugieriges Wahrnehmen und eine akzeptierende Haltung von allem was gerade passiert (im „Jetzt“ wie man so schön sagt) und was man gerade fühlt, denkt, und spürt – im Innen und im Aussen.

Nur wenn ich bewusst wahrnehme, was mit mir und in mir „passiert“, wie ich mich gerade fühle, und wie ich etwas betrachte (das Bild von dem Netz zum Beispiel), habe ich eine Wahlmöglichkeit und kann mich vollkommen auf etwas einlassen, aus einer Situation lernen, und etwas anders machen.

Vielleicht war das so gelabelte Versagen ja gar kein Versagen? Oder es ist zu etwas gut?

Natürlich passiert diese „Achtsamkeit“, (die jetzt ja fast überall erwähnt wird) und achtsame Wahrnehmung nicht über Nacht, sondern man muss sie zunächst erlernen und üben (es gibt dazu verschiedenste Bücher, Workshops, etc … auch ich arbeite damit), aber in meinen Augen lohnt es sich.

Denn wir alle kennen dieses vorher erwähnte Szenario:  etwas Unerwartetes passiert, und dieser Umbruch löst Angst, Traurigkeit oder andere tiefe Gefühle aus. Da ist noch etwas Altes, man hat es noch nicht losgelassen, sollte sich davon trennen, weiß aber noch nicht genau wohin man nun unterwegs ist. Wie lässt man etwas los, ohne zu wissen wohin es geht? Wie lässt man sich auf etwas Neues ein? Neues macht uns gerne Angst…

In genau dieser Umbruchsituation liegt eine große Kraft, eine Verletzlichkeit und innere „Nacktheit“ aber auch Ungeformtheit – etwas ist noch im „rauen“ Zustand (auf Englisch „rawness“). In diesen Momenten können wir, wenn wir es uns erlauben und uns uns selbst liebevoll zuwenden, uns so wahrnehmen wie wir sind. Und dies ist ein Weg hin zu uns Selbst. Anstatt in Angst zu versinken lohnt es sich neugierig zu werden und sich dem Unbekannten zuzuwenden …

Diesen Prozess empfinde ich als etwas sehr Wichtiges. Würdigt man diesen, allein, und/oder in Therapie, und erforscht man diese „Neuheit“ mit so etwas wie einem Staunen, liegt dort meisst eine ungeheure Kraft in das Neue aufzubrechen.

Gisela Schneider, MA, Logo
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