Ohne Schmerz gibt es keine Bewusstwerdung. Menschen tun alles, egal wie absurd, um ihrer eigenen Seele nicht zu begegnen. Man wird nicht erleuchtet, in dem man sich Figuren aus Licht vorstellt, sondern indem man die Dunkelheit bewusst macht. – C.G. Jung
Wir alle kennen die Sache mit der Herdplatte. Sagt man einem Kind, „lang da bitte nicht drauf“, wird es garantiert darauf langen. Dann tut es oft richtig weh, und von da an meidet man bzw. das Kind (hoffentlich) die Herdplatte.
Auch als Erwachsene sind wir nicht vor „Herdplatten“ (im übertragenen Sinne) immun.
Es gibt da ganz, ganz spannende Dinge, die uns wie magisch anziehen, und ganz egal, was uns jemand sagt, wir werden uns im Beziehungsleben, im Beruf, in der Freizeit etc. auf Dinge einlassen, wo wir uns garantiert verbrennen werden. Manchmal sogar nicht nur einmal, sondern mehrere Male.
Wir tun dies normalerweise so lange, bis „der Groschen gefallen ist“, bis uns ein Lichtlein aufgeht, und wir etwas aus der Situation lernen. Oft müssen wir zigmal den gleichen Weg einschlagen, bis wir wirklich etwas daraus lernen können. Manchmal funktioniert dies aber nicht so. Wir hängen wie in einer Schleife fest.
Kennst Du das, Du fragst Dich, weshalb Du das Gleiche immer wieder tust?
Wenn wir uns bewusst sind, dass wir etwas wie im „Wiederholungszwang“ anziehen, uns zum Beispiel immer die „Bad Boys“ in Beziehungen heraussuchen (die betrügen, einen verlassen, etc), es zu ändern versuchen, es aber irgendwie nicht geht, dann macht es in meinen Augen Sinn, sich dies in der Therapie unter emotionalen Aspekten anzuschauen.
Es gibt in jedem uns (Kind)anteile, die – auf gut bayrisch gesagt – sehr eigenständig immer wieder den gleichen „Schmarrn“ machen, ohne aber etwas daraus zu lernen – obwohl wir dies als Erwachsene sehr wohl wissen, oder uns ein Gefühl sagt, dass wir vielleicht gerade wieder direkt ins Messer rennen – aber unser Kind-Ich weiss dies nicht. Wie stark sich so etwas ausdrückt, und ob uns dies im Alltag wirklich stört, ist individuell sehr verschieden.
Meist gibt es da einen sogenannten „hook“, etwas, was uns zur Wiederholung zwingt. Und der Weg für mich ist es in diesem Kindanteil (was das Gleiche tut, wie damals) etwas zu verändern. Ich tue dies meist mit EMDR, es gibt aber auch andere Wege. Denn der Erwachsene, der weiß dass etwas keinen Sinn macht, und es trotzdem tut, tut dies aus einem Gefühl heraus.
Und wer schon mal vor dem Spiegel stand und sich 10 mal gesagt hat: „ich liebe mich, ich bin nicht dick, ich bin ganz wundervoll“, sich aber ganz furchtbar gefühlt hat, derjenige weiß, dass Gedanken die Gefühle nur rudimentär beeinflussen und fast nicht bzw. nur kurzzeitig verändern können.
Wir müssen hin zur Ursache – dies zeigt uns auch die neuste Hirnforschung.
Dies bedeutet: hin zu den Gefühlen, dorthin, wo man eine Situation zum ersten Mal erlebt hat. Im Gehirn bedeutet das, hin zum limbischen System … Und wenn man dort etwas verändert, an den Gefühlen und dem meist entstandenen „Notfallprogramm“, dann ist unser Gehirn lernfähig und offen für etwas Neues.
In diesem Sinne ist der erste Schritt zur Veränderung einer der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, des Nachspürens und des sich Bewusstmachens.
Der zweite Schritt, ist die Veränderung.
Funktioniert diese nicht alleine, dann bedeutet es sich die Hilfe zu suchen, die für einen passt, um sich nicht nur über etwas bewusst zu sein, sondern auch aktiv etwas verändern zu können.
Dies erfordert Mut, sich dem Schmerz auszusetzen und sich wirklich selbst zu begegnen.